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Transporte, Deportationen - Der Weg in den Tod

Gedenkveranstaltung zum Holocaust

Von 1942 an, als die Bombenangriffe der Alliierten auf deutsche Städte zunahmen, erfolgten die Abtransporte der Patient_innen in die verschiedenen Verlegungsorte mit der Bahn. Die Anstalt wurde zunehmend dafür genutzt, Einrichtungen für somatisch Kranke aus Mannheim und Heidelberg nach Wiesloch zu verlegen. Patient_innen, die als Arbeitskräfte für die Anstaltsversorgung in der Landwirtschaft, der Gärtnerei, aber auch in Wäscherei und Küche oder bei Flickarbeiten ungeeignet waren, sind so wegverlegt worden. Zielorte waren dabei elsässische Anstalten und Emmendingen, aber auch Hadamar, Kaufbeuren und die Konzentrationslager Mauthausen, Auschwitz und Dachau. Dabei sind sie den Weg der Südlichen Zufahrt hinunter geführt worden, um an dem für die Anstalt eingerichteten Haltepunkt an der Bahnlinie nach Schatthausen, dem damaligen Bahnhof „Wiesloch Ost“ in die auf dem dortigen Rangiergleis stehenden Bahnwaggons einzusteigen. Heute befindet sich dort in Nähe des städtischen Bauhofes ein Parkplatz. Von der Anstalt aus sind zwischen 1942 und 1944 über 1000 Patient_innen auf diese Weise abtransportiert worden.

Der Weg in die Stadt Wiesloch führt vorbei am Jüdischen Friedhof. Pogrome gegen Juden lassen sich auch in der Anstalt nachweisen. Nach Kriegsbeginn sind dort innerhalb kurzer Zeit sechs jüdische Patienten_innen verstorben und auf diesem Friedhof beigesetzt worden. Lebensverkürzende Maßnahmen von Seiten der Anstalt sind dabei auszuschließen, ihr Tod dürfte aber mit ihrer Vereinsamung in Zusammenhang gebracht werden können, da oftmals die Angehörigen Deutschland verlassen hatten. Am 22. Oktober, dem Tag der Judendeportation aus Baden und der Saarpfalz, sind auch neun jüdische Patient_innen aus der Anstaltsbehandlung entlassen und der Gestapo übergeben worden. Von den ca. 50 jüdischen Patient_innen, die bei Kriegsbeginn in Anstaltsbehandlung waren, sind die meisten bereits 1940 in die Gasmordanstalt nach Grafeneck gebracht worden.

Hinweis für Nachfahren von NS-Opfern

Als ein Ergebnis der umfangreichen Recherchearbeiten vor Herausgabe des Buches "Die NS-Vergangenheit in der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch" ist es dem Autor Dr. Frank Janzowski gelungen, eine Liste der über 2000 zu Kriegszeiten in Sammeltransporten aus der Anstalt wegverlegten Patienten zu erarbeiten. Interessierten Nachfahren können wir in vielen Fällen Auskunft über den Verbleib ihrer Angehörigen geben. Bitte stellen Sie Ihre Anfragen per E-Mail. Wir werden diese gerne beantworten.