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"Kinderfachabteilung" - das Haus 59

Hier befand sich von Dezember 1940 bis August 1941 die Wieslocher „Kinderfachabteilung“. Behinderte Kinder, deren Versorgung sehr aufwändig war und bei denen von einer stark eingeschränkten Bildungsfähigkeit ausgegangen wurde, sind auf Anordnung des Reichsgesundheitsministeriums von den regionalen Gesundheitsämtern erfasst worden. Zunächst ging es dabei um Kinder bis zum dritten, später bis zum 16. Lebensjahr. Den Eltern wurde offiziell mitgeteilt, dass der nationalsozialistische Staat in den „Kinderfachabteilungen“ die modernsten Heilverfahren zur Anwendung bringen lässt. Die dortige „Behandlung“ bestand jedoch darin, die schwer mehrfachbehinderten Kinder mit Medikamenten zu ermorden.

Dr. Wilhelm Möckel weigerte sich, die Leitung der "Kinderfachabteilung" zu übernehmen

Dr. Wilhelm Möckel, der Wieslocher Anstaltsleiter, hatte sich geweigert, die Leitung dieser Abteilung zu übernehmen. Er war zudem fachlich dafür ebenso wenig qualifiziert wie Dr. Arthur Schreck, der als stellvertretender Anstaltsleiter diese Aufgabe übernahm. Die aufgenommenen Kinder kamen aus Baden, aber auch aus den umliegenden Provinzen.

Schreck ermordete im März und April 1941 drei Kinder und weigerte sich dann mit der Begründung, eine Heil- und Pflegeanstalt sei nicht der richtige Ort für den Betrieb einer solchen Abteilung. In der Wieslocher Anstalt fehlte dem Pflegepersonal zudem jegliche Erfahrung und Routine beim Betrieb einer solchen Kinderstation. Auf Anordnung der Berliner Initiatoren der Kindermordaktion reiste daraufhin mehrfach Dr. Fritz Kühnke, gewissermaßen als ein „konsiliarischer Tötungsarzt“ von München nach Wiesloch, wo dann bis August 1941 neun weitere Kinder umgebracht worden sind.

Nach Kriegsende ist Schreck u. a. wegen der getöteten Kinder in Wiesloch zu zwölf Jahren Zuchthaushaft verurteilt worden, er wurde jedoch vorzeitig begnadigt. Der Prozess gegen Kühnke, der nach Kriegsende Facharzt für Kinderheilkunde geworden war und sich in Hamburg niedergelassen hatte, fand erst in den 1960er Jahren statt, obwohl es ab 1947 einen Haftbefehl gegen ihn gab. Das Gericht erkannte u. a. wegen der von ihm in Wiesloch getöteten Kinder auf Totschlag, der nach den damaligen Gesetzen aber bereits nach 15 Jahren verjährt war.
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Haus 59: damals „MI - Männer infektiös“