Luftaufnahme vom Psychiatrischen Zentrum Nordbaden

25 Jahre elektronische Behandlungsakte im PZN

Das Psychiatrisches Zentrum Nordbaden Wiesloch (PZN) feiert das 25-jährige Jubiläum seiner elektronischen Behandlungsakte. Was im Januar 2001 als Pilotprojekt in der Forensik begann, hat sich zu einer tragenden Säule der klinischen Versorgung und zu einem frühen Meilenstein der Digitalisierung in der psychiatrischen Krankenhauslandschaft entwickelt.

Die Einführung der digitalen Dokumentation erfolgte zu einer Zeit, als entsprechende Lösungen für psychiatrische Einrichtungen kaum verfügbar waren. Deshalb entwickelte das PZN seine elektronische Behandlungsakte weitgehend eigenständig. Hierbei setzte man von Beginn an auf die multiprofessionelle Zusammenarbeit von Medizin, Pflege, Therapie und IT. Grundlage bildeten umfassende Analysen der bisherigen Papierdokumentation sowie Workshops mit Mitarbeitenden aller an der Patientenbehandlung beteiligten Berufsgruppen. Ziel war von Beginn an eine multiprofessionelle, einheitliche und strukturierte Dokumentation für alle an der Behandlung beteiligten Bereiche.

Ein besonderer Erfolgsfaktor war dabei die duale Projektleitung aus ärztlicher und pflegerischer Perspektive. Das Projekt wurde von Dr. Gerhard Frömel und Jürgen Rave geleitet – ein Arzt und ein Pfleger – und profitierte wesentlich vom engen Zusammenspiel der unterschiedlichen Funktionen: Sie wurden damals von Unternehmensberater Ralph Hammacher, IT-Leiter Jörg Stadler, Betriebsdirektor Wolfgang Wilhelm sowie in enger Zusammenarbeit mit der Herstellerfirma (GWI, später Agfa, Dedalus) und von IT-Fachleuten des PZN unterstützt. 

Nach zweijähriger Konzeptions- und Entwicklungsphase ab 1999 wurde das System innerhalb weniger Monate technisch innerhalb des PZN zunächst auf einer forensischen Station erprobt. Die anschließende Einführung erfolgte im Echtbetrieb konsequent stationsweise mit vollständiger Umstellung von Papier auf digitale Dokumentation. Zwischen 2001 und 2003 wurde die elektronische Behandlungsakte im Krankenhausbereich etabliert. Anschließend erfolgte die Umsetzung in weiteren Versorgungsstrukturen des PZN.

Bereits wenige Jahre nach der Einführung zeigten sich deutliche Effekte: verbesserte Informationsverfügbarkeit, schnellere Kommunikation zwischen Berufsgruppen, strukturierte Datengrundlagen sowie eine erhöhte Transparenz und Nachvollziehbarkeit von Behandlungsprozessen.

Die ursprünglich kleine Softwarelösung entwickelte sich über mehrere Unternehmenswechsel hinweg weiter und gehört heute zum Portfolio des internationalen Gesundheits-IT-Unternehmens Dedalus, einem führenden Anbieter klinischer Informationssysteme in Europa.

Mit Umsetzung des „papierlosen Krankenhauses“ Anfang des Jahrtausends gehörte das PZN zu den Vorreitern in der deutschen Krankenhauswelt. Auch heute bildet die digitale Dokumentation im PZN die Grundlage für weitere Innovationen – von neuen Dokumentationsstrukturen bis hin zu vernetzten und KI-gestützten Anwendungen. Das Jubiläum markiert damit nicht nur einen Rückblick auf ein erfolgreiches Pionierprojekt, sondern auch einen wichtigen Ausgangspunkt für die weitere digitale Entwicklung der psychiatrischen Versorgung.