01.02.2021

27.01.-22.07.21 - Ausstellung "Das Schubladen-Projekt" im PZN Wiesloch

Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha und Geschäftsführerin Anett Rose-Losert legen einen Kranz für die Opfer des Nationalsozialismus ab.

v.l.n.r. Dr. Jutta Kammerer-Ciernioch (Ärztliche Direktorin), Manuel Grimm (Sozialdienst), Fotografin Meike Hahnraths, MdL Manne Lucha, Anett Rose-Losert (Geschäftsführerin), Dirk Elkemann (Oberbürgermeister Wiesloch), Susann Roßberg (Leiterin Unternehmenskommunikation)

Das Foyer des PZN wurde übrigens von den damaligen Architekten als die "Straße der Begegnung" bezeichnet.

50 Bilder wollen erstmal gehängt werden...

Großformatige Bilder laden zum Verweilen ein.

Das Schubladen-Projekt ermöglicht "Begegnungen" mit Menschen der Psychiatrie.

In Anwesenheit des Ministers für Soziales und Integration, Manfred Lucha, gedachten im Rahmen einer zentralen Veranstaltung die sieben Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg der Opfer des Nationalsozialismus. Veranstaltungsort war das Psychiatrische Zentrum Nordbaden in Wiesloch. Lucha und die PZN-Geschäftsführerin Anett Rose-Losert legten für die über 2000 Deportierten der T4-Aktionen der Jahre 1940/41 der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch einen Kranz am Mahnmal nieder. Corona bedingt fand die Veranstaltung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Die interaktive, inklusionsfördernde Fotoausstellung der Mönchengladbacher Fotografin Meike Hahnraths trägt im PZN Wiesloch den Titel „Das Schubladen-Projekt – Begegnungen in der Psychiatrie“. Insgesamt 50 großformatige Bilder werden nun erstmals in Baden-Württemberg gezeigt. Alle zeigen ausdrucksstarke Portraits von Menschen, darunter 22 von Patient*innen, Bewohner*innen und Mitarbeitenden des PZN. Die Ausstellungsbesuchenden werden mit ihrem eigenen „Schubladendenken“ konfrontiert. Mittels eines Rätselbogens werden Betrachtende gefragt, was sie in den Abgebildeten zu erkennen glauben, in welchen Berufen die Personen wohl arbeiten, welche Vita womöglich hinter den Menschen steht.

Normal: Schublade auf. Fatal: Schublade zu.

Die aktive Auseinandersetzung mit den eigenen Schubladen im Kopf ist wichtiger denn je. Sie hilft im Erkennen darin, dass Vorurteile schnell entstehen und allzu oft in Stigmatisierung und Benachteiligung enden. Die Einrichtung bediente sich bewusst dieser Bildsprache als thematischen Aufhänger. Die Ausstellung schlägt damit die Brücke zum Gedenktag. Schnelles Ausgrenzen, Stigmatisierung, die Aberkennung der Menschenwürde und am Ende der Menschenrechte.

Die Ausstellung hält der Gesellschaft einen Spiegel vor. Die Portraits der abgebildeten Menschen im Foyer des Zentralgebäudes des PZN lassen Betrachtende das „Wesen"tliche im Menschen entdecken. Die Bilder - die Gesichter - stemmen sich mit der Schönheit der Abgebildeten gegen den wiederaufkeimenden Antisemitismus, gegen unverhohlen rassistische Äußerungen rechtsradikaler Mitbürger*innen, gegen die Infragestellung demokratischer Grundwerte und auch gegen eine stark um sich greifende Haltung des "ich-zuerst". Jüngere Menschen, die Generation Selfie, möchten die Ausstellungsverantwortlichen darauf sensibilisieren, sich mit den Folgewirkungen von Mobbing oder Cyberbashing zu befassen. Vieles fängt im Kleinen an...

Das gab es alles schon mal in den dunkelsten Zeiten Deutschlands, in den dunkelsten Zeiten der psychiatrischen Anstalten bei den sog. "T4-Aktionen" mit unzähligen Opfern. Allein aus der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch wurden in den Jahren 1940/1941 über 2000 Menschen abtransportiert. In Tötungsanstalten wie Grafeneck und Hadamar wurden sie unmittelbar nach ihrer Ankunft vergast. 

Die Ausstellung präsentiert das PZN Wiesloch vom 27.1. bis zum 22.7.2021 im Foyer des Zentralgebäudes. Interessierte können die Bilder ansehen, sie sind jedoch verpflichtet in der Halle eine FFP2-Maske zu tragen. Coronabedingt wird es leider auch keine Finissage geben.


Weiterführende Links

Literaturtipp: Die NS-Geschichte der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch

Ausstellungskatalog Schubladen-Projekt im PZN (Download 9 MB)