28.10.2020

#ehrenpflegas - PZN kommentiert Miniserie

Wir sind keine Ehrenpflegas. Das Psychiatrische Zentrum Nordbaden distanziert sich von einer Reihe kleiner Videoclips des Bundesfamilienministeriums.

Junge Menschen in ihrer Welt abholen und für den Pflegeberuf zu begeistern, ist mit Blick auf den drohenden Pflegenotstand ein enorm wichtiges Anliegen. So ehrenwert der Versuch auch sein mag, auf „humorvolle“ und „teils überspitzte Weise“ die Attraktivität des Pflegeberufs zu vermitteln – so unreflektiert wirkt die „Ehrenpflegas“-Miniserie im Web auf diejenigen, die selbst im Pflegeberuf tätig sind oder mit Pflegeprofis zusammenarbeiten. 


„Das breite Negativecho auf die „Ehrenpflegas“-Kampagne teilen auch wir im Psychiatrischen Zentrum Nordbaden und zwar berufsgruppenübergreifend,“ betont Susann Roßberg, Leiterin der Unternehmenskommunikation in dem Zentrum für Psychiatrie in Wiesloch. „Über die besonderen fachlichen und menschlichen Anforderungen, die heute mit dem Pflegeberuf einhergehen, wurde in den vergangenen Jahren viel diskutiert und informiert. Das zuständige Familienministerium hat offensichtlich die wirklich relevanten Aspekte, insbesondere Rahmenbedingungen, Gehalt und Image des Pflegeberufs, bei dieser jüngsten Ausbildungsoffensive ignoriert,“ bedauert Boris Prach, stellvertretender Pflegedienstleiter der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am PZN. 


Nur so können sich die PZN-Vertreter*innen erklären, was herausgekommen ist bei der „Ehrenpflegas“-Kampagne: Peinlich anrührende Klischees, garniert mit vermeintlich komischen Szenen in gewollt tumbem Jugendjargon. Welche*r orientierungssuchende*r Schulabsolvent*in auf der Suche nach einem sinnstiftenden und perspektivenreichen Beruf lässt sich wohl auf diese Weise erreichen? Und vor allem: Wie wirkt diese „Satire“ auf die Menschen, die sich Tag für Tag mit umfassendem Fachwissen und außergewöhnlichem menschlichem Einsatz für eine qualitativ hochwertige Pflege stark machen? Schade, nicht nur um die rund 700 000 Euro, die in diese Kampagne geflossen sind, sondern auch um das Vertrauen, dass die Verantwortlichen damit verspielt haben! Es hätte andere Wege gegeben, die Zielgruppe „unkonventionell“ – wie es Familienministerin Franziska Giffey beabsichtigte – anzusprechen. Ein Mindestmaß an Achtung und Würdigung der fachlichen Berufsanforderungen, des Selbstverständnisses und des Berufsethos der Pflegeprofession hätte zwingend dazugehört.