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01.02.2020

Chefarztwechsel Klinik Suchttherapie und Entwöhnung

Tobias Link folgt Dr. Barbara Richter nach

Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie Tobias Link (49) wurde vom Aufsichtsrat des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden (PZN) in Wiesloch mit Wikrung vom 1. Januar 2020 zum Chefarzt der Klinik für Suchttherapie und Entwöhnung berufen. Die Klinik für Suchttherapie und Entwöhnung ist eine von fünf Fachkliniken am PZN in Wiesloch, das zur Gruppe der Zentren für Psychiatrie Baden-Württemberg gehört.

Tobias Link ist bereits seit 1998, nur unterbrochen durch sein neurologisches Weiterbildungsjahr, am PZN tätig ist, zuletzt als Oberarzt und stellvertretender Chefarzt in einer der beiden allgemeinpsychiatrischen Kliniken. Er übernimmt die Position zum 1.1.2020 von seiner Vorgängerin Dr. Barbara Richter.
Die Ärztin für Psychiatrie ist seit 1986 am PZN beschäftigt. Sie leitete erfolgreich die Klinik für Suchttherapie und Entwöhnung über 23 Jahre hinweg. Bis Ende 2020 ist sie weiterhin als Ärztliche Direktorin im psychiatrischen Fachkrankenhaus tätig. Danach wird sie in den Ruhestand verabschiedet.

Mit besonderem Engagement will der neue Chefarzt Link die weitere Vernetzung der Klinik mit anderen für Abhängigkeitserkrankte relevanten Beratungs- und Versorgungsanbietern vorantreiben. Auch der Ausbau von passgenauen Angeboten für spezifische Patient*innengruppen, wie etwa junge Erwachsene mit Amphetamin- und Cannabisabhängigkeit sowie die Fortentwicklung der wohnortnahen ambulanten und teilstationären Versorgung sind ihm wichtig. Dabei kann er auf die Unterstützung von Pflegedienstleiter Walter Reiß, gleichzeitig PZN-Pflegedirektor, sowie ein gut eingespieltes und motiviertes Klinikteam aus Vertretern unterschiedlicher Berufsgruppen bauen.

Gute Suchtmedizin ist Teamarbeit

Interview mit dem neuen Chefarzt der PZN-Klinik für Suchttherapie und Entwöhnung Tobias Link

Welche Schwerpunkte werden Sie als neuer Chefarzt der Klinik für Suchttherapie und Entwöhnung setzen?

In meiner neuen Funktion werde ich daran arbeiten, dass Abhängigkeitserkrankte in einem möglichst frühen Stadium ihrer Erkrankung eine spezialisierte Behandlung erhalten. Ich strebe deshalb eine enge Zusammenarbeit mit unseren Partner*innen im Gesundheitssystem und speziell in der Suchthilfe an. Dazu gehören neben den niedergelassenen Haus- und Fachärztinnen und -ärzten, die psychosozialen Beratungsstellen, die Selbsthilfe- und Angehörigenverbände sowie das Zentralinstitut für seelische Gesundheit (ZI), mit dem über das Feuerlein-Zentrum bereits eine enge Kooperation besteht. Letztere bietet die große Chance, neue Forschungsergebnisse rasch in klinische Versorgungsangebote zu übersetzen.
Für die tägliche Arbeit ist es mir wichtig, dass alle Mitarbeiter*innen ihre Stärken und ihre spezifischen professionellen Fähigkeiten einbringen können. Um diese kennenzulernen, werde ich in den nächsten Wochen viele Gespräche führen. Meine feste Überzeugung ist, dass gute Suchtmedizin Teamarbeit ist.

Was sind aus Ihrer Sicht vordringliche Aufgaben bei der suchtmedizinischen Versorgung in unserer Region?

Wie überall in Deutschland gibt es auch in unserer Region immer mehr Patient*innen, die an sehr komplexen Suchterkrankungen leiden. Da Suchterkrankungen häufig zusammen mit weiteren körperlichen und psychischen Erkrankungen auftreten, muss es unser Ziel sein, dass diagnostische und therapeutische Weichenstellungen bereits dort stattfinden können, wo der Erstkontakt mit dem Gesundheitssystem erfolgt. Hierfür hat das PZN durch seine ambulanten, tagesklinischen und stationären Behandlungsbereiche an den GRN- und Neckar-Odenwald-Kliniken, sowie in Bruchsal hervorragende Voraussetzungen geschaffen. Mein Ziel ist es, spezialisierte suchtmedizinische Versorgung in der Fläche wohnortnah zu erhalten und bedarfsgerecht fortzuentwickeln. Suchtmedizinischen Konsiliar- und Liaisondienste oder auch aufsuchende Behandlungsangebote sind beispielsweise in der Lage Patient*innengruppen zu erreichen, die sonst kaum einen Zugang zu suchtmedizinischer Behandlung finden.  

Bei der Versorgung der Opiatabhängigen wird eine zentrale Aufgabe der nächsten Jahre auch darin bestehen, die Substitutionsbehandlung flächendeckend zu erhalten und fortzuentwickeln. Hierfür strebe ich eine enge Zusammenarbeit und Abstimmung mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und mit den regionalen Suchthilfenetzwerken an.

Darüber hinaus erfordert die Veränderung von Konsumgewohnheiten immer wieder Veränderungen in unserem klinischen Leistungsspektrum. Zu nennen wäre hier die Zunahme des Konsums von Amphetaminen, eine sich abzeichnende Zunahme von Patient*innen mit cannabis-assoziierten Störungen und eine zunehmende Aufmerksamkeit für stoffungebundene Süchte wie z.B. Online-Spielsüchte.

Wie sollte sich die Suchtmedizin generell weiterentwickeln?

Wir sind uns in der Fachwelt einig, dass Suchterkrankungen als chronische Erkrankungen zu betrachten sind. Um diese zu behandeln, bedarf es differenzierter Angebote und unterschiedlicher Versorgungsformen. Beispielsweise erfordert die Akutbehandlung von möglicherweise lebensbedrohlichen Delirzuständen im Rahmen eines Alkoholentzuges ganz andere Maßnahmen als eine mehrmonatige Alkohol- oder Medikamentenentwöhnung oder gar die langfristige ambulante Behandlung von Opiatabhängigen, einschließlich der Substitutionstherapie. Ich bin froh, dass wir im PZN bereits ein breites Spektrum dieser Spezialleistungen anbieten und dadurch Patienten mit unterschiedlichen Abhängigkeitserkrankungen von der Entgiftung bis hin zur Reha begleiten können. Bei alldem dürfen wir auch nicht vergessen, dass eine Suchterkrankung oftmals mit existenziellen Lebenskrisen einhergeht. Deshalb müssen wir bei der Behandlung den ganzen Menschen mit seinen Problemen, aber auch seinen Stärken einbeziehen. Die klinische Behandlung bietet hierfür den Schutzraum der notwendig ist, um akutmedizinische und psychiatrische Krisen zu bewältigen, Veränderungsmotivation zu evozieren, Veränderungsschritte zu planen und neue Verhaltens- und Beziehungsmuster einzuüben. Übergeordnetes Ziel unserer Suchtbehandlung ist dabei nicht immer primär die Abstinenz, sondern die Verbesserung der Lebensqualität.