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Psychiatrie von A bis Z

Erfahren Sie Wissenswertes über psychiatrische Krankheitsbilder und Themen.

Psychiatrie von A-Z

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Schizophrenie

Die Schizophrenie gehört zu den Psychosen und ist eine der häufigsten Erkrankungen, die in psychiatrischen Kliniken behandelt werden. Ungefähr ein Prozent der Bevölkerung leidet im Laufe des Lebens an einer Schizophrenie. Von 100.000 Menschen erkranken jedes Jahr etwa 150 neu daran. Charakteristisch für eine Schizophrenie sind Halluzinationen und Wahnbildungen, außerdem kommt es zu Störungen des Denkens und der Sprache. Auch die Gefühle werden von der Krankheit beeinträchtigt: Die Betroffenen werden von Ängsten oder Depressionen überwältigt, oder sie empfinden Heiterkeit in Situationen, in denen andere Menschen eher traurig sind. Eine Schizophrenie betrifft die gesamte Person im Denken, Fühlen und Handeln. Die Behandlung erfolgt in der Regel im Krankenhaus. Rund 30 Prozent der Erkrankten werden wieder völlig gesund. Nicht selten sind Aufenthalte von mehreren Monaten notwendig, manchmal – mit Unterbrechungen – auch Jahre. Die Behandlung der Krankheit hat sich durch neue Medikamente (Antipsychotika) in den letzten Jahrzehnten entscheidend verbessert: Die quälenden Gedanken und Gefühle können den Patienten oft genommen werden. Daneben ist eine Psychotherapie und auch der individuelle Kontakt zum Pflegepersonal (Bezugsperson) unerlässlich. Eine intensive Betreuung des Patienten ist in allen Lebensbereichen notwendig. Insbesondere die Rehabilitation soll nach dem Abklingen der akuten Symptome für die Wiedereingliederung in Familie und Beruf sorgen.

Selbsttötung / Suizid

Jedes Jahr nehmen sich in Deutschland 14.000 Menschen das Leben. Die Tendenz steigt mit dem Lebensalter, außerdem nehmen sich mehr Männer als Frauen das Leben. Die Selbsttötung, medizinisch Suizid genannt, wird im Volksmund wenig treffend als Selbstmord bezeichnet. Zehnmal häufiger kommt es zu Suizidversuchen, die von Frauen doppelt so häufig unternommen werden wie von Männern. Der Suizidversuch eines Menschen, also eine nicht erfolgreiche Selbsttötung, ist oft der Grund für einen Aufenthalt in einem psychiatrischen Krankenhaus. Manchmal müssen die Betreffenden gegen ihren Willen eingewiesen werden (Zwangsmaßnahme), um ihr Leben zu schützen. Auch während der Behandlung im Krankenhaus kann es geschehen, dass ein Mensch, der zum Beispiel an einer Depression leidet, in eine schwere Krise gerät und sein Leben infrage stellt. Gerade dann muss er bei Ärzten, Therapeuten und Pflegepersonal Verständnis und Unterstützung finden. In dieser Situation ist die Bezugsperson ein wichtiger Begleiter in einer hoffnungslos erscheinenden Lebensphase.

Selbstverletzendes Verhalten

Unter Selbstverletzendem Verhalten versteht man Handlungen, bei denen es zu einer bewussten Schädigung der Körperoberfläche kommt. Diese Handlungen sind sozial nicht akzeptiert und nicht suizidal intendiert. Die häufigste Form der Selbstverletzung ist das Zufügen von Schnittverletzungen mit scharfen oder spitzen Gegenständen wie Messern, Rasierklingen, Scherben oder Nadeln. Aber auch Verbrennung oder Verätzungen kommen bei selbstverletzendem Verhalten vor. Jugendliche mit psychischen Störungen oder Problemen haben ein besonders hohes Risiko selbstverletzendes Verhalten zu entwickeln. Neben Erkrankungen - wie Depressionen, Ess-, Zwangs- oder Angststörungen - können auch mangelndes Selbstwertgefühl, die Unfähigkeit, Gefühle auszudrücken und schwach ausgeprägte Selbstregulierungskräfte ursächlich sein. Besonders häufig kommt es im Rahmen einer Borderline-Persönlichkeitsstörung zu Selbstverletzungen.

Stalking

Der Begriff „Stalking“ kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie anpirschen, jagen. Im übertragenen Sinne ist damit die wiederholte Verfolgung, Belästigung oder Bedrohung einer Person gemeint, deren physische oder psychische Gesundheit dadurch bedroht oder geschädigt werden kann. Dabei spielt es keine Rolle, welche Motive dahinter stecken, häufig sind es Liebe, Eifersucht, Neugier oder Hass. Jeder Mensch kann Opfer von Stalking werden. Besonders häufig sind jedoch Personen betroffen, die eine Beziehung oder eine Ehe beendet oder einen Beziehungswunsch zurückgewiesen haben. Ein durchschnittlicher Stalkingfall dauert etwa zwei Jahre. Die Stalker belästigen ihre Opfer zum Beispiel durch häufige Telefonanrufe zu jeder Tages- und Nachtzeit, Briefe oder E-Mails, Verfolgen oder Eindringen in die Wohnung. Ein Großteil der Opfer leidet unter gesundheitlichen Problemen wie Unruhe, Kopfschmerzen, Angstsymptomen, Schlafstörungen, Magenbeschwerden oder depressive Verstimmungen. Vor allem Opfer, die auch körperlich bedroht werden, leiden häufig unter krankhaften Verhaltensmustern wie Vermeidungsverhalten oder Abkapselung. In seltenen Fällen kommt es zu einer posttraumatischen Belastungsstörung. Stalking ist strafrechtlich schwer zu fassen. Jedoch können einzelne Handlungen strafrechtlich relevant sein. Im Bundestag wurde im Mai 2006 ein Gesetzentwurf zum Schutz vor hartnäckigen Nachstellungen und Belästigungen diskutiert.

Störungen im Sexualverhalten

Störungen im Sexualverhalten können zum einen auf sexuelle Funktionsstörungen zurückgehen wie Potenzprobleme oder vermindertes Lustempfinden, die das sexuelle Erleben und Verhalten eines Menschen beeinträchtigen. Zum anderen gehen sie auf Störungen der Geschlechtsidentität zurück wie Transsexualismus und Transvestitismus sowie Störungen der Sexualpräferenz. Dazu zählen zum Beispiel Fetischismus, also der Gebrauch von Gegenständen als Stimuli für sexuelle Erregung und Befriedigung; außerdem die Pädophilie, das heißt die sexuelle Präferenz von Kindern; Voyeurismus, der Drang, anderen Menschen bei sexuellen Aktivitäten oder Intimitäten zuzusehen zur eigenen sexuellen Erregung; Exhibitionismus, das heißt die Neigung, die Genitalien vor meist gegengeschlechtlichen Fremden in der Öffentlichkeit zu entblößen, ohne näheren Kontakt zu wünschen; Sodomie, das heißt Geschlechtsverkehr mit Tieren, sowie Sadomasochismus, die sexuelle Erregung durch Zufügen oder Erleiden von Schmerzen und Demütigungen.

Störungen im Sozialverhalten

Störungen des Sozialverhaltens gehören zu den häufigsten Kinderpsychiatrischen Diagnosen. Sie sind durch ein sich wiederholendes und anhaltendes Muster dissozialen, aggressiven und aufsässigen Verhaltens charakterisiert. Dieses Verhalten übersteigt mit seinen gröberen Verletzungen die altersentsprechenden sozialen Erwartungen. Es ist also schwerwiegender als gewöhnlicher kindischer Unfug oder jugendliche Aufmüpfigkeit. Störungen des Sozialverhaltens können auch bei anderen psychiatrischen Krankheiten auftreten. Beispiele für Verhaltensweisen, welche die Diagnose begründen, umfassen ein extremes Maß an Streiten oder Tyrannisieren, Grausamkeit gegenüber anderen Personen oder Tieren, erhebliche Destruktivität gegenüber Eigentum, Feuerlegen, Stehlen, häufiges Lügen, Schulschwänzen oder Weglaufen von zu Hause, ungewöhnlich häufige und schwere Wutausbrüche und Ungehorsam.

Sucht

Suchtkrankheiten sind seelische Störungen und gehören zu den wichtigsten gesundheitspolitischen Problemen unserer Zeit. Hierbei tritt am häufigsten der Alkoholismus mit 60 bis 70 Prozent auf, gefolgt von Drogenabhängigkeit mit rund 20 Prozent und der Medikamentensucht mit 15 bis 20 Prozent. Die Sucht entwickelt sich oft aus einem Zusammenspiel von Wirkung der Droge, persönlicher Labilität und Umwelteinflüssen. Sie ist gekennzeichnet durch das unwiderstehliche Verlangen nach weiterer Einnahme der betreffenden Droge (psychische Abhängigkeit) sowie Toleranzsteigerung und Abstinenzerscheinungen (körperliche Abhängigkeit). In der Medizin wird unterschieden zwischen stoffgebundenen Suchterkrankungen, bei denen die Süchtigen von einem bestimmten Stoff wie Alkohol oder Medikamenten abhängig sind, und stoffungebundenen Suchterkrankungen. Bei diesen hat ein Mensch den Drang, eine bestimmte Tätigkeit auszuüben. So kann beispielsweise die Spielsucht an Glücksspielautomaten, Arbeitssucht oder süchtiges Stehlen (Kleptomanie) krankhafte Ausmaße annehmen und behandlungsbedürftig werden. Während bei der Abhängigkeit von Suchtmitteln die Therapie häufig auch eine medizinische Betreuung erfordert (Delir, Entziehung), werden stoffungebundene Suchtkrankheiten fast ausschließlich psychotherapeutisch behandelt zum Beispiel mit einer Verhaltenstherapie.

Supervision

Die Behandlung und Betreuung von psychisch kranken Menschen kann für die Therapeuten und das Pflegepersonal sehr belastend sein. Bei einer Supervision arbeiten sie diese Belastung mit einem methodisch geschulten Berater auf. Dabei spüren sie, dass sie mit den Schwierigkeiten und dem Gefühl der Überforderung nicht alleine gelassen werden. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass ein Patient andere Menschen manipuliert und hinters Licht führt. Eine Supervision trägt dazu bei, solche Manipulationen zu erkennen. Der Berater oder Supervisor arbeitet in der Regel nicht in der Einrichtung, sondern wirft den Blick als Außenstehender auf die Situation.
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