Das Kulturprojekt Johann Philipp Bronner im Park des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden
Ein Projekt von Bürgerinnen und Bürgern und dem Kulturamt der Stadt Wiesloch in Zusammenarbeit mit dem Psychiatrischen Zentrum Nordbaden
Wiesloch ist eine Stadt, die reich ist an schmückenden Kunstdenkmälern. Einige von ihnen erinnern an die Historie der Stadt. Dass Wiesloch sich „Weinstadt“ nennen kann und dass Wieslocher Wein weit über die Region hinaus bekannt ist, verdanken die Stadt und ihre Bürger einer Persönlichkeit, die vor fast 200 Jahren hier lebte und arbeitete: Johann Philipp Bronner (1792 – 1864).
Während die Verwaltung des PZN die Kosten der äußeren Umgestaltungen und der Sanierung der Wilhelmshöhe und des kleinen Bronner'schen Garten- oder Wingerthauses übernahm, hat die Stadt Wiesloch die Ausstattung im biedermeierlichen Stil und als Ort der Dokumentation von Bronners Leben durchgeführt. Dritter im Bunde ist der Winzerkeller Wiesloch, der einen Kreis von original Bronner-Reben um das Häuschen gepflanzt hat. So entstand ein biedermeierliches Ambiente. Dieses Kulturprojekt wurde mit einem bunten Fest am „Tag des offenen Denkmals“ im September 2008 der Öffentlichkeit übergeben. Auch die „Sophienhöhe“ soll in einer bestimmten Form wiederauferstehen. Nicht als Mahnung, sondern als Erinnerung an eine historische Freundschaft jenseits aller gesellschaftlichen Schranken, wurde das „Kulturprojekt Johann Philipp Bronner“ als historisches Denkmal für Menschen unserer Zeit gestaltet. Es erinnert damit anschaulich an eine längst vergangene, zeitgeschichtlich wichtige Epoche bürgerlicher Emanzipation. Dass „Freundschaft“ nicht nur ein Begriff des Biedermeiers ist, sondern gerade auch in moderner Zeit hohen Wert besitzt, zeigt als Beispiel die gute Zusammenarbeit aller Oganisatoren dieses Projekts.
Johann Philipp Bronner ist ein Bürger der Stadt Wiesloch gewesen, der mit seinem Handeln dem Gemeinwohl gedient hat. In diesem Sinne ist das „Kulturprojekt Johann Philipp Bronner“ auch eine Aktion für die Wieslocher Bürger. Bürgerengagement ist erwünscht. Um dieses umfangreiche Projekt weiter zu führen, auf dass seine kulturelle Wirkung auch späteren Generationen erhalten bleibt, bitten die Organisatoren um Spenden auf das Konto der Stadt Wiesloch, Kontonummer 50 007 235, Sparkasse Heidelberg (BLZ 672 500 20), Verwendungszweck: Kulturprojekt Bronner.
Jede Bürgerspende ist damit ein Bekenntnis zur Geschichte der Stadt Wiesloch als Heimat.
Wissenswertes über das Kulturprojekt - am Anfang stand die Arbeit...
Die Idee des Kulturprojekts wurde von Karin Hirn M.A. (Wiesloch) und Ing. Agr. Immanuel Klein (Weinsberg) erarbeitet. Ünterstützung, Mitarbeit und Rat gaben Manfred Kurz, Leiter des Stadtarchivs Wiesloch, und Manfred Stenschke, Leiter der Abteilung Bau und Technik am PZN. Das Projekt wurde von den Trägern und durch Spenden der Wieslocher Bürger finanziert. Das “Kulturprojekt Johann Philipp Bronner“ wurde am “Tag des offenen Denkmals“ 2006 ins Leben gerufen und fand am 14. September 2008, dem “Tag des offenen Denkmals 2008“, in Anwesenheit vom Ärztlichen Direktor Dr. Markus Schwarz und dem Oberbürgermeister der Stadt Wiesloch, Franz Schaidhammer, seine offizielle Einweihung.
Das Projekt erforderte Maßnahmen, die vom Psychiatrischen Zentrum Nordbaden, den planenden Organisatoren und der Stadt Wiesloch durchgeführt wurden. Dazu waren neben Investitionen auch ein hohes Maß an ehrenamtlicher Arbeit notwendig.
Nach Vorbesprechungen im Jahr 2006, wurde im Jahr 2007 in Bild und Text der Soll- bzw. Istbestand der “Wilhelmshöhe” und des “Bronnerschen Gartenhauses” erhoben. Dazu war auch eine Projektbeschreibung nötig. Die Konzeption der Um- und Neugestaltung wurde entworfen. Im Dezember 2007 trafen sich der Leiter der Abteilung Bau und Technik, Manfred Stenschke, Stadtarchivar Manfred Kurz, die Organisatoren des Projekts Karin Hirn und Immanuel Klein, Restaurator Daniel Wolf und der Geschäftsführer des Winzerkellers, Jürgen Bender, vor Ort, um die Maßnahmen der äußeren Umgestaltung festzulegen. Seit November 2007 stand das Gartenhaus leer. Im Februar 2008 wurden in Anwesenheit einer Vertreterin des Regierungspräsidiums Karlsruhe, Abteilung Denkmalwesen, die Sanierungspläne besprochen. Es gab keine Einwände seitens des Denkmalschutzes gegen den Sanierungsplan. Die Abteilung Bau und Technik übernahm die Gebäudesanierung. Dazu gehörten die Freilegung der Originaldecke und des Bodens des denkmalgeschützten Gartenhauses. Das Projekt wurde nun auch in der Lokalpresse vorgestellt und es wurde um Bürgerspenden gebeten. Neben vielen Sachspenden gingen Geldspenden der Wieslocher Bürger und Bürgerinnen in Höhe von rund 4500 Euro ein.
Ende März 2008 erhielt das Gartenhaus Elektrifizierung und der Außenbewuchs wurde entfernt. Bei den Sanierungsarbeiten wurde das alte Bruchsteinmauerwerk sichtbar. Anfang April wurde um das Gartenhaus eine neue Hecke gepflanzt und kleinere Gebäudeschäden von der Abteilung Bau und Technik renoviert. Das Häuschen hatte nun einen neuen Innenraumanstrich und einen Ziegelfußboden. Mitte Mai 2008 kehrte die Neuzüchtung der “Bronner-Rebe” in die Heimat Wiesloch zurück, denn rund um das Gartenhaus wurden in historischer Erziehungsmethode zwölf Rebstöcke der resistenten Neuzüchtung des Freiburger Weinbauinstitut gepflanzt. Einen Monat später erhielt das Gärtchen um das Bronner-Häuschen eine weiße Gartenbank im Biedermeierstil. Die folgenden Monate standen unter dem Zeichen der Vorbereitung der Eröffnungsfeier sowie unter Federführung der Stadt Wiesloch der Inneneinrichtung des Gebäudes als kleines Museum. Nach 170 Jahren wurde auch wieder der Kontakt Wieslochs mit dem markgräflichen Haus Baden hergestellt.
Das “Bronnersche Gartenhaus” und die “Wilhelmssäule” sollen auch weiterhin Ort kultureller Darbietungen bleiben.
Über das Leben Johann Philipp Bronners (1792 bis 1864)

- Der Innenraum des Bronner'schen Reb- bzw. Wingerthauses wurde im Biedermeier Stil eingerichtet
Johann Philipp Bronner ist zu einem Wahrzeichen für die Weinstadt Wiesloch geworden. 1826 - 1858 war er hier als Apotheker tätig. Doch er war auch ein Pionier auf dem Gebiet des Weinbaus, der Geologie, der Archäologie und der Botanik. Er legte Sammlungen von einheimischen Pflanzen, Gräsern und Mineralien an. Um 1820 beschäftigte er sich mit Theorie und Praxis des Weinbaus. Sein erstes Buch zu diesem Thema erschien 1830. Er kaufte auf Wieslochs Gemarkung ein “Stück Ödland”, lernte den Rebbau und praktizierte ihn dort, schnitt seine Rebanlage selbst. Er reiste in den Rheingau, ins Moselgebiet, nach Frankreich, durch Europa, um sich Kultivierungs- und Schnittmethoden anzusehen. Bronner entwickelte den “Bockschnitt” und begann in Wiesloch resistentere, ertragreichere Sorten anzubauen. 1830 legte er eine Rebschule mit 400 Sorten an, später importierte er seine Reben sogar bis nach Amerika. Bronner wurde Mitglied im “Landwirtschaftlichen Bezirksverein” und hatte Aufsicht über das “Faselvieh”.
1837 rekultivierte man auf Anregung des Apothekers Bronner große Teile des ehemaligen Bergwerkgebiets (westlich und nördlich des PZN). Er bepflanzte das Gewann “Hässel” (Hessel) mit Reben auf einer Fläche von ungefähr 100 Morgen. Der frühere “Hesselwald” wurde dafür abgeholzt. Das ehemalige Bergwerksgebiet, in dem im Mittelalter und später silberhaltige Bleierze im Untertage- und Tagebau abgebaut worden waren, war und ist teilweise heute noch von “Pingen” (Reste von Bergbauschächten, bis vier Meter tief und bis zu zehn Metern im Durchmesser) durchzogen. Der Forschungsarbeit Bronners war es zu verdanken, dass der Rebbau in Wiesloch große Fortschritte machte. Die Rebschule Bronners mit bis zu 500 000 Rebstöcken, die auch in Wiesloch angepflanzt wurden, und seine Baumschule, die in Wiesloch konkurrenzlos war, sorgten dafür, dass sich die Weinberge bis vor die Tore der Stadt herabzogen.
Für seine Verdienste und für seine Beratung verlieh Wilhelm Markgraf und Prinz von Baden Bronner den Titel “Oeconomie-Rath”. Wilhelm von Baden und Bronner wurden Freunde und Bronner widmete dem markgräflichen Freund eine Säule auf einem der schönsten Aussichtspunkte der Stadt - die “Wilhelmshöhe”. Johann Philipp Bronner gründete nun auch eine Weinhandlung, aus der der Weinkeller “Bronner und Heuss” hervorging. Johann Philipp Bronner war zweimal verheiratet, hatte fünf Söhne und eine Tochter, die er nach Mannheim verheiratete. Vier seiner Söhne wurden Apotheker, ein Sohn Arzt. Dieser Sohn, Eduard, war ein Freund Adolf Kußmauls und Viktor von Scheffels. Er war Augenarzt und musste wegen revolutionärer Umtriebe 1848/49 nach England fliehen. Johann Philipp Bronner betrieb im Alter eine Rosenzucht und folgte sein Leben lang dem Leitspruch: “Erfasse und nutze dem Geist der Zeit”.
Oeconomie-Rath Bronner war klug, gebildet, weltoffen und veröffentlichte viele seiner Studienergebnisse in Büchern über Weinbau, die heute noch gelesen werden. Bronner, der Mann aus dem Bürgertum, fand in Wilhelm von Baden, verheiratet mit Elisabeth von Württemberg und Mitglied der adeligen Oberschicht, einen Gönner. Und dies nicht nur auf dem Gebiet des Weinbaus. Bildung und Ausstrahlung waren der Schlüssel zur Annäherung beider Männer. Was daraus entstand waren eine lebenslange Freundschaft und innovative Produktionsmethoden in Sachen Weinbau.
Zeitlose Verschmelzung von Natur und Kunst - Gärtnerische Umgestaltung der “Wilhelmshöhe” auf dem Gelände des PZN

- Oberbürgermeister Franz Schaidhammer bei der Eröffnungsfeier am 14. September 2008 an der Wilhelmssäule
Über Jahrzehnte vergessen, verfehmt und fast aus der Erinnerung geraten war ein Denkmal der Stadt, das eines der wenigen authentischen Kunstdenkmäler Wieslochs ist. Es stammt aus dem Jahr 1838, ist dem damaligen Markgrafen Wilhelm von Baden gewidmet und tritt auf in Form einer einfachen, schmucklosen Säule toskanischer Ordnung. Die rote, ungefähr zwei Meter hohe Säule aus rotem Sandstein trägt die schlichte Inschrift “Wilhelm - 1838” und steht innerhalb einer grandiosen Naturkulisse eines alten Lindenhains. Das Denkmal befindet sich ganz im Norden der Wieslocher Gemarkung auf einer abfallenden Hügelseite im Gelände des PZN. Von zwei Seiten lässt es sich vom Betrachter begehen: Von der Straße ”Wilhelmshöhe” her hinauf zum Zentralparkplatz bei den ehemaligen Schwesternhäusern. Oder man spaziert von der Stadt hinauf ins PZN, biegt in den Gärtnereiweg ein und geht immer weiter am Gelände der Gärtnerei entlang. Den Spaziergänger geleitet nach einigen Metern zur Linken ein abfallendes Wäldchen und er glaubt, nun müsse ihm nichts als freie Natur begegnen.
Doch dann, wie plötzlich aus dem Nichts sich erhebend, sich auf eine sanfte Erhebung aufbauend steht es vor ihm, dieses Denkmal. Ein mächtiger Kranz von Lindenbäumen streckt seine hohen Äste in den Himmel und die schlanke Säule wirkt hoch und mächtig. Bäume und Säule scheinen eine Einheit zu sein, eine kleine Naturkathedrale mit hoher Kuppel. Dies ist eines der ältesten und originärsten Denkmäler unserer Stadt. Es ist nicht nur schön in Sommerbelaubung, sondern auch im goldenen Licht des Herbstes und als Geflecht dunkler Konturen vor dem hellen Winterhimmel. Ein “magischer Ort” ist dies, still und kompromisslos in seiner zeitlosen Schönheit. Es scheint, dass hier die Zeit angehalten worden ist, dass der biedermeierliche Hain als Bild aus der Romantik seinem Rahmen entstiegen ist. Oder scheint diese Anlage eher eine mythische Kultstätte zu sein?
Die Realität ist weitaus profaner, was aber der Wirkung des Kunstwerks keinen Abbruch tut. Der Gedenkstein wurde am 28.Mai 1838 mit einem großen Volksfest der Wieslocher Bevölkerung übergeben. Die Einweihung der kleinen Anlage - sieben einstmals beschnittene Linden gruppierten sich um eine Säule - war wohl das erste Winzerfest der Stadt. Bürger und Honoratioren feierten den Anlass mit Böllern, Stadtmusik, einem Festzug mit weiß gekleideten Kindern und mit Bürgern sowie mit einer offenen Tafel auf dem Festplatz. Es gab Preisschießen, Volksbräuche und ein Theaterstück. Der Markgraf selber war wohl anwesend und abends veranstaltete man einen großen Ball.
Nun steht sie also heute noch da, die schlanke Wilhelmssäule, hat viele Generationen und viele Kriege über sich ergehen lassen müssen, hat Festfreude und Todesnot erlebt. Der magische Ort, dessen älteste Linde rund 150 jahre zählt, musste erleben, wie Unrecht und Terror der nationalen Zwangsdiktatur auch Wiesloch überzogen, wie Verzweiflung und Einsamkeit Menschen unter seine Kronen in den Tod trieben. Dies alles haben die Säule und einige der Linden, die nun hohl und altersschwach sind, überlebt. Von seiner Schönheit hat der Ort über den Lauf der Zeit nichts eingebüßt, ganz im Gegenteil, dies alles hat dem Hain mehr Bedeutung gegeben. Auch die Zerstörung des Säulenkapitells und seine Wiederherstellung kann man dort als Zeitdokument erkennen.
Lange Zeit hat man nicht mehr an diesen Ort gedacht. Doch im Zuge der Rekultivierung des Landschaftsparks des PZNs hat m an nun auch dieses Denkmal wiederentdeckt. Unter der Federführung von Dipl. Ing. Imanuel Klein, dem Leiter der drei Anstaltsparkanlagen Wiesloch, Weinsberg und Winnenden, wurde das Denkmal nun wieder sichtbar und begehbar gemacht. Der Anstoß dazu kam auch aus der Bürgerschaft Wieslochs, denn dieses Wahrzeichen war schon ureigenstes Kunst- und Kulturgut der Stadt gewesen, bevor die Heil- und Pflegeanstalt erbaut wurde.
Der einstige Trampelpfad wurde als Weg abgestochen und mit einer wassergebundenen Decke befestigt. Alte Bänke wurden abgeräumt. Der Platz ist nun sauber eingekreist und präsentiert sich dem Besucher optisch betont. Die Eibenhecke wurde zur besseren Sicht in Teilen entfernt. Es ist nun leicht von der Stadt aus, bequem zum Denkmal zu spazieren. Wer Glück hat und sein Auge zur Krone der alten, 150jährigen Linde erhebt, kann das Rauschen und Brummen vergangener Zeiten vernehmen. Dies sollte der neugierige Besucher allerdings nicht in Sturmzeiten tun, denn dann gehört der Hain wieder - wie Jahrzehnte zuvor - nur der Natur und dem Wind, der mit seiner Gewalt das Holz ächzen und zerbrechen lässt.
Der Ort hat durch seine Verschönerung zwar viel von seiner Magie verloren, aber dafür Leben gewonnen. “Erfasse und nütze den Geist der Zeit” glaubte man hier den alten Johann Philipp Bronner sagen zu hören und man blickt den Hügel hinüber in die Richtung, in der sein altes Gartenhaus heute noch steht.
Wir bedanken uns bei den Sponsoren des Projektes...
- Ludwig Böhli
- BIWU e.V.
- Dombrowski Massivhaus
- Rainer Göpferich
- o-design Oliver Göpferich
- Prof. Dr. Dirk Wilhelm Lorenzen und Eva Koppenhöfer
- Musikschule Südliche Bergstraße
- Glaserei Gerolf Sauer
- Hans-Georg und Cläre Schröder
- Sparkasse Heidelberg
- Dr. Adolf und Jutta Suchy, Stadtapotheke Wiesloch
- Familie Helmut Vogt
- Dagmar Wagner
- Firma Rolf Waibel, Elektro
- Winzerkeller Wiesloch eG
- Edda und Günter Wolf
- Steinmetzmeisterbetrieb Daniel Wolf
Flyer zum Kulturprojekt
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pzn_kulturprojekt_bronner_final-screen-08092008-01.pdf Das Informationsblatt ist auch an der Pforte des PZN sowie bei der Stadt Wiesloch im Rathaus erhältlich. |
Die Reden zur Eröffnungsfeier am 14.9.2008
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